Lerne, ein Nein zu stehen

Vor einigen Wochen kam Katrin zu mir, weil sie lernen wollte, besser mit ihren Ängsten bezüglich ihres Familienunternehmens umzugehen.

Obwohl sie ihre Arbeit liebte und das Geschäft erfolgreich war, hatte sie ständig Angst, falsche Entscheidungen zu treffen und Kunden zu verlieren und stand deshalb massiv unter Leistungs- und Erfolgsdruck.


Häufig ärgerte sie sich über einen ihrer größten Kunden. Er war unzuverlässig, unfreundlich, drückte oft die Preise und drohte ihr damit, Aufträge anderweitig zu vergeben, wenn sie seinen Vorstellungen nicht nachkäme. Obwohl ihre Antwort jedes Mal ein klares Nein gewesen wäre, gab sie immer zähneknirschend nach und sagte Ja, weil sie Angst hatte, ihn zu verlieren und damit größere finanzielle Einbußen einzufahren, die sie dann zu verantworten hätte.


Wie ist es mit dir?


Fällt es dir auch manchmal schwer, Nein zu sagen und du sagst Ja?

Sicher, oder? Wer kennt das nicht?


Was sind deine typischen Situationen?

Und welche Ängste halten dich davon ab, das zu tun oder zu sagen, was viel ehrlicher wäre?


Wenn du genauer hinschaust, kann es gut passieren, dass du nicht ein oder zwei, sondern mehrere Bereiche in deinem Leben entdeckst, in denen du dich mit deinen Ängsten ausbremst, jeden Tag das zu leben, was ehrlich, integer und wahr für dich ist.



Hinter jedem unaufrichtigen Ja steht ein Nein zu dir selbst


Dass Katrin zu ihrem Kunden nicht Nein sagen konnte, ist das eine. Sie hatte ja gute Gründe dafür: Sie wollte dem Unternehmen nicht schaden. Aber was für tiefgreifende Auswirkungen hat das auf ihr Leben? Was nimmt sie damit in Kauf? Was kostet sie ihr unaufrichtiges Ja?


In unserer Zusammenarbeit entdeckte sie für sich, dass das ständige Ringen und das Übergehen ihrer eigenen Bedürfnisse und Wahrheiten Unsicherheit und Frust in ihr auslöste. Mit jedem unaufrichtigen Ja sagte sie unbewusst Nein zu sich selbst. Und sie sah, wie sie das in vielen Bereichen ihres Lebens lebte - nicht nur mit dem einen Kunden.


Sie sagte Ja

· zu ihrer Freundin, obwohl sie keine Lust hatte, zum Konzert mitzugehen.

· zu ihren Kindern, die länger fernsehen wollten als vereinbart, um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

· zu ihrer Mitarbeiterin, die kurz vor Weihnachten einen Tag frei haben wollte, obwohl mehr als genug Arbeit anstand.


Sich ständig mit ihren Bedürfnissen nicht zu sehen und ihrer inneren Stimme nicht zu vertrauen führte dazu, dass sie die Verbindung zu sich selbst verlor und sich selbst nicht mehr vertraute – sie wurde sich fremd.